Fleisch aus der Petrischale - Das Essen der Zukunft?

Könnte künstlich gezüchtetes Fleisch aus der Petrischale in der nahen Zukunft die Lösung auf die Frage nach der Beendigung des Welthungers sein und damit auch das Leid der Tiere ein für alle mal beenden?

Unsere gegenwärtigen Essgewohnheiten sind eine der größten Katastrophen auf diesem Planeten. Durch den Verzehr riesiger Fleischmengen treiben wir den Klimawandel an wie ein Segelboot, dem man den Motor eines Dampfschiffes eingepflanzt hat. Allein für ein einziges Kilogramm Rindfleisch werden umgerechnet 50 Quadratmeter Regenwald vernichtet, 20.000 Liter Trinkwasser verbraucht, 16 Kilogramm Getreide und Soja verfüttert sowie mehr Treibhausgase als bei einer 250 Kilometer langen Autofahrt erzeugt. Ist das nicht Wahnsinn? Jeder Bissen den man von einem leckeren Rumpsteak zu sich nimmt sollte sich eigentlich anfühlen wie ein Dolchstoß in das Herz unseres Planeten, und doch essen wir seelenruhig tagtäglich große Mengen an Fleisch. Allein wenn jeder Mensch nur noch einmal pro Woche ein Steak essen würde, könnte man dem Klimawandel erheblich entgegensteuern. Die Massentierhaltung würde stark abnehmen und die Vorräte unserer Erde würden nicht so schnell verbraucht werden wie es derzeit der Fall ist. Abgesehen davon, dass es nachweislich gesünder ist sich primär von pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren, wird dadurch die Umwelt stark geschont. Zwar erfreuen sich Trends wie der Vegetarismus oder Veganismus immer größerer Beliebtheit, so ist es doch leider nichts für jedermann sich so zu ernähren. Nicht zuletzt der Geschmack von Fleisch macht es dem größten Teil der Gesellschaft schwer, darauf zu verzichten. Auch sind die Auswirkungen des Fleischkonsums auf den Klimawandel zu langwierig, als dass die Menschen aufgrund dessen Auswirkungen auf tierische Produkte verzichten. Wenn man die Auswirkungen einer Mahlzeit sofort bemerken würde, würden viele Menschen sicherlich ihren Standpunkt ändern, aber leider ist das im Bereich des Unmöglichen. Doch wie sollen wir dieses Problem in den Griff bekommen, wenn niemand oder nur sehr kleine Teile der Bevölkerung ihre Gewohnheiten ändern?

Fleisch aus der Petrischale

Eine Möglichkeit, der Massentierhaltung ein für alle Mal den Garaus zu machen, kommt überraschenderweise von einem Ort, von dem wir es wahrscheinlich am wenigsten erwartet hätten: Aus dem Labor. Mittels Stammzellen werden in Petrischalen Muskelfasern herangezüchtet, die sich von richtigem Fleisch im Grunde genommen nicht unterscheiden. Das Schöne an dieser Methode ist, dass für diese Art von Fleisch kein Tier mehr sterben muss. Das Fleisch, das auf diese Art und Weise erzeugt würde, wäre demnach tot und lebendig zur gleichen Zeit, wie Schrödingers Katze, da der Wirt (die Kuh) weiterlebt und das Fleisch an sich jedoch tot ist. Ziemlich witzig oder?

Die Stammzellen werden von gesunden und lebenden Tieren entnommen, das alles findet auch noch vollkommen schmerzfrei für die Tiere statt. Aus einer einzigen Biopsie könnte man so theoretisch um die 20.000 Tonnen Kunstfleisch herstellen. Wäre das nicht die Lösung für eine Vielzahl von Problemen? Die Massentierhaltung wäre mit einem Schlag zerstört, was wiederum positive Auswirkungen auf den Klimawandel hätte, riesige Flächen für Landwirtschaft freigeben würde, auf denen Gemüse und andere Nahrungsmittel für den Menschen angebaut werden könnte. Allein wenn wir die Flächen, die derzeit für Tierhaltung verwendet werden, für Gemüseanbau nutzen würden, könnten wir mehr Menschen damit versorgen als es das Fleisch der dort gehaltenen Tiere derzeit kann. Ferner müsste weniger vom Regenwald abgeholzt werden, um eben mehr Flächen für Tierhaltung und deren Versorgung zu schaffen. Auch die Tiernahrung, in Form von Soja und Getreide, benötigt eine Menge freie Fläche unserer Erde, die wir anderweitig wesentlich sinnvoller nutzen könnten. Allein der hohe Trinkwasserverbrauch sollte uns einen Grund zum Nachdenken geben, in der Zukunft und auch schon jetzt, nach einer fleischlosen Alternative zu suchen.

Doch woran hängt es denn noch wenn es eine scheinbar so einfache und sogar moralisch gute Möglichkeit existiert der Massentierhaltung und dem Klimawandel den Garaus zu machen? Einer und wahrscheinlich auch der schwerwiegenste Punkt, dass solch eine Art Fleisch noch nicht auf unser aller Teller liegt, ist der Produktionspreis. Der erste Burger, der auf diese Art und Weise je hergestellt wurde, hat sagen und schreibende 250.000 Dollar gekostet. Das Laborfleisch steht dem richtigen Fleisch weder in Aussehen, noch in Struktur oder Konsistenz nach. Der Geschmack soll unserem derzeit bekannten Fleisch sehr ähnlich sein, wenn auch etwas trockener im Geschmack, was dem mangelnden Fettanteil zugrunde liegt. In der Zukunft sehe ich darin allerdings kein Problem. Wenn der Arbeitsaufwand für diese Art der Fleischerzeugung erst einmal so gering wie möglich gestaltet wird, und man mit Produktionsanlagen die Herstellung automatisieren und vielleicht sogar beschleunigen kann, glaube ich, dass die Menschheit nicht mehr länger auf Fleisch von Tieren angewiesen ist. Schon in 20 bis 30 Jahren könnte dies soweit sein und man wird das Zeitalter, in der die Menschheit enorm viel Fleisch verzehrt hat, wie Mark Post, ein niederländischer Professor für Biomedizin sagte, als barbarisch abstempeln.

Jetzt weiterlesen: Industrie 4.0 – Sieht so die Zukunft aus?

Kategorien: Artikel

Lars Joppich

Lars ist eins der beiden Gründungsmitglieder und dazu versklavt auf ewig hier zu bloggen.